Deutsche Schule Helsinki

Das Schauspiel
an der Deutschen Schule Helsinki

Leitung und Organisation
Koulun johto ja organisaatio

Basisinformationen von A-Z
Yleistä A-Z

 

 

 

 

 

 

 


Home

Theaterarbeit bedeutet, mit seiner ganzen Person an einem Projekt zu arbeiten. Alle Sinne werden angesprochen und gebraucht. Denn nur durch den Einsatz von Kreativität und Disziplin, durch Selbsterfahrung und intensive Teamarbeit kann man zu einem präsentablen Ergebnis gelangen. Kaum sonst in der Schule können Körper und Geist, Gefühl und Intelligenz in dieser Weise gleichzeitig angesprochen und intensiv genutzt werden.
Vielleicht liegt darin die Faszination, aber auch das Erfolgsgeheimnis des Theaterspielens.
Die spezifischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Theaterarbeit vermittelt, entsprechen zudem den viel beschworenen Schlüsselqualifikationen wie Selbständigkeit, Teamfähigkeit, soziale und kommunikative Kompetenz und kreatives Problemlösen. Dazu kommt Textverständnis und –wiedergabe, Präsentationsfähigkeit, Authentizität und Ausstrahlung, denn auf dieser Art von Präsenz beruht jede erfolgreiche Aufführung.
Dabei unterscheidet sich jedoch die Arbeit mit schauspielfreudigen Schülern deutlich von der Theaterarbeit an professionellen Stätten des Schauspiels. Es kommt darauf an, mit den momentan 20 Schülerinnen eine ganz eigene Ästhetik zu entwickeln, die sich deutlich aus den besonderen Möglichkeiten des Schultheaters ergeben sollte. Keinesfalls wollen wir in unserem Theaterprojekt an der DSH Ausstattung, Requisiten und Bühnenbild professioneller Bühnen nachahmen. Andererseits möchten wir auch nicht beim Zuschauer das quälende Gefühl hervorrufen: „Gut gemein, aber schlecht gemacht!“
Einige Grundsätze, von denen wir uns als Spielleiter an der DSH leiten lassen, sollen uns helfen, diese besondere Ästhetik des Schultheaters zu entwickeln.

1. Heterogenität

Wir sehen uns nach den ersten beiden Jahren als Spielleiter an der DSH und den ersten Produktionen in dem Konzept der heterogenen Altersstruktur bestätigt. Das Theaterprojekt ist offen für alle Schülerinnen und Schüler von Klasse 5 bis 12. Es gibt keine Trennung in Unterstufen- und Oberstufen-Theater. Dadurch hat sich eine sehr interessante Dynamik entwickelt, die die Jugendlichen unterschiedlichen Alters mit- und voneinander lernen lässt. Dabei ist es nicht so, dass lediglich die älteren den jüngeren die schauspielerische Welt erklären. Denn nicht unbedingt ist der ältere Schüler auch der schauspielerisch gereifter.
Die Jugendlichen gehören unterschiedlichen Deutschsprachniveaus an, vom reinen Muttersprachler bis zum Deutschlerner im ersten oder zweiten Lernjahr. Das Sprachniveau der Fremdsprachler steigert sich durch dem Umgang mit deutschen Texten und muttersprachlichen Mitspielern und Spielleitern deutlich. Aber auch die Muttersprachler profitieren von den anderen. Denn die Nicht-Muttersprachler haben häufig einen unverstellten Zugang zu Texten und fördern so das Textverständnis der ganzen Gruppe durch ihre Art der Textaneignung und Textbefragung. Dies unterstützt eine intensive Spracharbeit, die der Sprach- und Sprechfertigkeit aller Beteiligten nutzt.

2. Reduktion

Bühnenbild, Requisiten und Kostüme müssen sich den eingeschränkten Gegebenheiten, anpassen. Die Gegebenheiten sind: geringes Budget, wenig Lagerraum, wenig Möglichkeiten, komplizierte Transporte (z.B. bei Auftritten außerhalb der Schule) durchzuführen und der Wunsch, das eigene Stück möglichst oft aufzuführen. Wir orientieren uns dabei am Kofferprinzip: Solange die Schauspieler sämtliche Spielmaterialien in Koffern unterbringen können und diese noch selber zum Bus, Schiff oder Flugzeug tragen können, stimmt die Menge des Spielmaterials. Denn wir möchten nach Auftritten in Helsinki, Vantaa und sogar in Stockholm gerne auch weiterhin an Spielorten außerhalb unserer Schule auftreten.
Reduktion bedeutet aber gleichzeitig auf das Spiel bezogen eine besondere Herausforderung für die jugendlichen Schauspieler: Die Darstellung des Stücks ist das Eigentliche, alles andere tritt dahinter zurück. Die Schauspieler und ihre Präsenz müssen das gesamte Stück tragen.

3. Spielvorlage

Alles, was geschrieben steht oder als Idee in den Köpfen der Mitglieder des Theaterprojektes existiert, kann zur Spielvorlage werden. Theaterstücke wählen wir nach folgenden Gesichtspunkten aus: Gibt es für alle Mitglieder des Theaterprojektes Rollen, also ungefähr 20? Passen diese zu den Schauspielern zwischen 11 und 20 Jahren? Kann das Stück von allen gespielt werden? Reizt uns etwas an dem Stück? Ist das Stück für uns und unser Publikum geeignet? Insbesondere die große Zahl der erforderlichen Rollen erfordert einen kreativen Umgang mit den Texten. Sie dürfen, sollen und müssen so lange verändert werden, bis sie den Bedürfnissen des Theaterprojektes entsprechen.
Es darf gekürzt oder dazu erfunden werden. Rollen dürfen gestrichen, verdoppelt, verdrei- oder vervierfacht werden. Die Ideen der Mitspieler sind dabei maßgeblich. Je mehr Vorschläge sie selber machen und je mehr sie sich in den Text hineinbegeben und ihn sich anverwandeln, umso leichter funktioniert die Arbeit an der Inszenierung. Initiative und Kreativität der Jugendlichen sollen sich entfalten, wobei die Entscheidung für oder gegen bestimmte Inszenierungsideen – oft nach langen Diskussionen - bei den Spielleitern verbleiben muss, solange sie die Verantwortung für das Theaterprojekt tragen. Dass dieses Konzept aufgeht, beweisen die Aufführungen des „doppelten Prinzchen“ nach Antoine de Saint-Exuperys „Der kleine Prinz“ und von „Zilinsky ist tot“, einer Reihe kleiner Szenen aus dem Bereich des absurden Dramas.

4. Zeit und Raum

Ernsthafte Theaterarbeit bricht das schulische Korsett von Stunden, Putzordnung, Raumzuteilung und Anwesenheitszeit auf, will es sein orginärem Ziel, der Präsentation einer gelungenen Produktion, nicht untreu werden. Kollisionen sind unvermeidbar, da sich der ernsthafte Prozess des Theatermachens nicht auf eine Arbeitsgemeinschaft einmal in der Woche beschränken lässt. Damit weist aber das Schaupiel an der DSH als Vorschein dessen, was die Schule werden könnte, über sich selbst hinaus:
„Ich traue mir die Einrichtung einer alle Bildungsansprüche befriedigenden Schule zu, in der es nur zwei Sparten von Tätigkeiten gibt: Theater und science. Es sind die beiden Grundformen, in denen der Mensch sich die Welt aneignet: subjektive Anverwandlung und objektivierende Feststellung. So wie sich das eine auf alle Verhältnis erstreckt, die sich versachlichen lassen, so das andere auf alles, was sich vermenschlichen lässt. Beide zusammen können alles umfassen, was Menschen erfahren und wollen, können und wissen.“


Helsingin Saksalainen Koulu

Allgemeine Informationen - Yleistä